Der internationale Sportsgerichtshof entscheidet wer Frau ist und wer nicht…

Das CAS Urteil gegen Caster Semenya kann weittragende Konsequenzen haben

Lausanne, 1.5.2019   Heute hat das CAS/TAS (Court of Arbitration for Sport) das Urteil im Fall Caster Semenya und ASA (Athletics South Africa) gegen die IAAF (International Association of Athletics Federation) gefällt. Es fällt negativ aus. Nun ist es also da, das ‚Lex Semenya‘. Wenigstens falls die Kläger nicht innerhalb von 30 Tagen beim Bundesgericht appellieren.

Wir erinnern uns, Caster Semenya und der südafrikanische Leichtathletik Verband klagten vor dem CAS gegen die Regelung der IAAF, dass Athletinnen (es geht nur um Frauen!) mit DSD (Differences of Sex Development) die als Folge ihrer Intergeschlechtlichkeit einen zu hohen Testosterongehalt im Blut haben, nur dann starten dürfen, wenn sie durch Einnahme von Medikamenten ihren Testosteronspiegel auf einen bestimmten Wert senken (5nmol/l). Die Regelung gilt für Laufstrecken von 400m bis und mit 1 Meile, inklusive allfällig gelaufener Staffeln.

Heisst im Moment, intergeschlechtliche Athletinnen dürfen nur starten, wenn sie nachweislich durch Einnahme von Medikamenten ihren Wert gesenkt haben und er dort auch bleibt während mindestens 6 Monaten vor einem Start, und selbstverständlich während ihrer ganzen Karriere.

Das Urteil mit der Lupe betrachtet

Athletinnen mit 46 XY DSD haben Testosteronwerte, die weit in die ‚normalen‘ Werte der Männer hineinreichen (7.7 bis 29.7nmol/l) und liegen demnach weit über denen von Frauen (maximal etwa 2nmol/l). Wir reden hier von cis Menschen.

Die IAAF betrachtet das als nicht fair gegenüber anderen Athletinnen (ihr Präsident Sebastian Coe bezeichnete das als nicht fair gegenüber richtigen Frauen in einem Interview mit BBC im Vorfeld der Klage!!). Daher der Mindestwert, der ja immerhin noch über dem von cis Athletinnen liege. Im Vergleich dazu, Transathletinnen müssen einen Wert von 10nmol/l während einem Jahr vor einen Start nachweisen um antreten zu können (IOC rules).

Nun kommt es im Urteil faustdick. Das Panel, also die Richter, stellen fest, ja, die IAAF Regeln sind diskriminierend, allerdings war die Mehrheit dieser Richter der Meinung, dass eine solche Diskriminierung ein notwendiges, vertretbares und angemessenes Mittel sei um das Ziel der IAAF, die Integrität von weiblichen Athletinnen zu schützen, zu erreichen.

Sorry meine lieben grauen Eminenzen, ich komme mir da vor wie im Bundeshaus, aber Diskriminierung, in welcher Form auch immer, ist ganz einfach nicht tolerierbar!

Wenn man denkt, das wars dann an Peinlichkeiten, weit gefehlt, die setzten da in Lausanne noch einen drauf.

In einem 165-seitigen weiteren Papier (der im Moment in seiner Gänze geheim ist, aber in Kürze veröffentlicht werden soll) macht dieses Gremium ernste Vorbehalte zu diesen Regeln der IAAF für die Zukunft. So liest man da

  • es könnte schwierig sein diese DSD Regulierungen in Bezug auf einen maximalen Testosteronwert aufrechtzuerhalten.
  • es sei auch schwierig auf den Laufdistanzen 1500m und 1 Meile auch effektiv nachzuweisen, dass Intergeschlechtliche Athletinnen da einen Vorteil haben (das wird bisher nur theoretisch von der IAAF angenommen, konkrete Beweise fehlen!). Da wird der IAAF sogar empfohlen die Regelung für diese Distanzen auszusetzen bis konkrete Beweise vorhanden sind.
  • Und die Nebeneffekte von Hormonbehandlungen zur Senkung des Testosteronwertes könnten zeigen, dass es für Athletinnen ganz einfach nicht möglich ist das Ganze durchzustehen, oder die Bedingungen zu erfüllen.

Als intergeschlechtliche Person, und Mensch mit, so glaube ich wenigstens, ziemlich klarem Verstand, bleibt mir bei all dem nur Kopfschütteln und Brechreiz unterdrücken.

Kommt dazu, dass dieses Urteil möglicherweise weitreichende Folgen haben wird. Andere Sportarten werden das lesen, Transfrauen werden vielleicht auch betroffen sein, der Sport legalisiert Diskriminierung. Das kann nicht sein, das darf nicht sein!

Wenn ich dann noch die hässlichen Kommentare zu Medienberichten lese, von Menschen die null und keine Ahnung haben was Intergeschlechtlichkeit ist, und was es bedeutet so zu leben, dann sieht man klar was die Gesellschaft neben mehr Hirn noch braucht. Aufklärung noch und noch, Medienpräsenz und Anerkennung!

Das Urteil verletzt Menschenrechte und es greift tief in die persönliche Freiheit von Sportlerinnen ein, und sowas ist ganz einfach nicht tolerierbar!